Dienstag, 5. Februar 2013

Fiesta de la Virgin de Urkupiña

Für die Mehrzahl der Bolivianer ist das Leben hart und "fiestas" sind immer willkommene Gelegenheiten, den Alltag zu vergessen. Zu den wichtigsten Festen der Bolivianer gehört die "Fiesta de la Virgin de Urkupiña" im August (tut mir Leid für die verspäteten Einträge, aber ich bin damit beschäftigt das Land und die Kultur zu geniessen). Jedes Andendorf und jedes Urwaldstädtchen hat seinen eigenen Schutzpatron, der jedes Jahr an seinem Namenstag gefeiert wird. Dazu wird sein Bildnis oder die Statue in der Kirche neu eingekleidet und dann in einer großen Prozession durch die Straßen getragen. Diese Feste dauern oft mehrere Tage an. Zu diesen Festen gehören Alkohol, farbenprächtige Kostüme und traditionelle Musik dazu. Fantasievolle Dekorationselemente und Gebräuche weisen auf die Ursprünge indigener Kulturen hin. 
Dieses Fest in Quillacollo, einer Stadt außerhalb von Cochabamba beginnt mit einer "Entrada", einer ca. 16 Stunden lang andauernden Straßenparade. Diverse Tanzgruppen tanzen zu Ehren der Jungfrau in Richtung Kirche. Sie beginnen morgens und tanzen mit den pächtigsten Kostümen, die alle handgemacht sind, bis in die Nacht hinein. Es ist ein beeindruckendes Ereignis. An den Straßenränden befinden sich die Zuschauer, die mit den Tänzern mitfeiern und ihnen Getränke, meist alkoholisch, anbieten. Es gilt als unhöflich dieses Angebot abzulehnen. 





Opfergaben an die "Virgin" und die "Pachamama"

























 der "Oso" - sehr beliebt bei den Bolivianern


Das Fest erreicht den Höhepunkt am Tag der berühmten Pilgerfahrt. Tausende von Menschen beginnen nachts ihren Marsch und laufen 15-20 km weit von Cochabamba nach Quillacollo. Die Autos haben Fahrsperre und die Straßen sind voll von Pilgerern, die sich auf den Weg zur Bergspitze des "Cerro Calvario" machen, auf dem Sagungen zufolge die "Virgin" erschienen sein soll.




...unterwegs gibt es allerlei zu essen...

...und zu trinken, wie zum Beispiel warmen Kakao.

Auch für Unterhaltung wird gesorgt.

Natürlich darf die Toilette nicht fehlen, wobei es manchmal besser ist einfach zurückzuhalten. 

Das war meine erste Woche, in der ich noch total fasziniert war von den Essenständen, den Frauen mit ihren großen Kochtöpfen, bei denen einem als Ausländer geraten wurde besser die Finger von zu lassen. Nach einiger Zeit hat man sich an das Bild gewöhnt und es war nichts Neues mehr. Heute essen wir an den Straßenständen, da es dort einfach das beste Essen gibt. :)



Lust auf ein frisches Steak?!

Bei Sonnenaufgang stärkt man sich mit Api und Pastel zum Frühstück, einem Blätterteiggebäck gefüllt mit Käse und Puderzucker und einem heißen Maisgetränk.


...das sollte Hannas Gesichtsausdruck erklären oder?! Das hat uns aber vom Essen nicht abgehalten. :)

Weitere Impressionen Boliviens...
 Cochabamba ist bekannt für sein gutes Essen.


Nach dem Pilgern findet eine Messe statt.

Vor und in der Kirche werden hunderte von Kerzen angezündet.







Kaffeepause






Wir haben uns die Zukunft vorhersagen lassen mit Hilfe von Blei.




Sowohl Hanna als auch mich erwartet ein unglaublich tolles Jahr voller Glück. Unsere Zukunft hat sich ziemlich gleich angehört, aber bisher triffts voll zu :)
Auch dieses Vögelchen kann die Zukunft vorhersagen. Natürlich haben wir auch das ausprobiert.






...damit dekoriert man sein neues Fahrzeug bevor es gesegnet wird.




Auf dem "Cerro Calvario" wird für Glück gebetet und es wird sowohl der "Virgin" als auch der "Pachamama" für die Erfüllung der Wünsche gedankt. 














Es werden Steine abgeschlagen als Symbol der Bereitschaft für die Erfüllung seiner Wünsche zu arbeiten. Denn Gebete allein reichen dafür nicht aus, ganz im Gegenteil, Taten und die Bereitschaft hart zu arbeiten sind notwendig. Je größer die Steine, die abgeschlagen worden sind, desto größer das Glück im nächsten Jahr. Diese Steine werden mit nach Hause genommen und man verspricht sie nächstes Jahr wieder zu bringen. 






...erst ein bisschen für die "Pachamama"...

...und dann für mich.




Es war wirklich harte Arbeit.

Hanna hat am meisten Glück abgesahnt. :)

Es werden weitere Riten vollzogen, wie zum Beispiel der symbolische Kauf eines kleinen Grundstückes sowie von kleinen Gegenständen (Häusern, Autos, diversen Zertifikaten wie zum Beispiel Abschlüssen), mit der Hoffnung, dass dies bis zum nächsten Jahr realisiert werden kann. 






Man vollzieht eine "ch'alla" (Opfergabe an die Pachama), bei der man um den Segen und die Gefälligkeit der "Virgin de Urkupiña" bittet. 











...zu groß für die Toilette :)




Die Grundstücke.


Unser Grundstück, auf dem wir gefeiert haben...

...und zwar mit unseren netten Nachbarn aus La Paz.





Er wurde nur der "Deutsche" genannt und musste daher umso mehr trinken. ;)


Der Vertrag über den Kauf eines Grundstückes...

 ...und seine stolzen Besitzer. :)
...auf eine gute Nachbarschaft.

Konfetti auf dem Kopf bringt auch Glück.






...mit eigener Band.





 ...auch Bolivianer brauchen Sonnenmilch.



Die Polizei bewacht die "Virgin".


Die gesamte Straße, die zu sehen ist, war voll von Pilgerern.


Nach dem Abschlagen der Steine, ist es noch einmal ein hartes Stück Arbeit diese mit nach Hause zu nehmen. Auf dem Rückweg kann man zwar "trufis" nehmen, muss jedoch erst zu einem hingelangen.

Dieser Tag gilt als ein Tag der Hoffnung. Die gesamte Familie nimmt teil. Es ist ein unglaubliches Ereignis, voll von Gebeten, Hoffnungen und Danksagungen.  


Danach gab es leckeres "Chicharon".

In Bolivien bestellt man sich zum Beispiel zwei Teller und teilt das Essen untereinander. Gegessen wird mit den Fingern.


 Der "trufi" ist einfach nicht für große Deutsche gemacht. ;)

Nach so einem anstrengenden Tag muss man sich dann auch mal eine Pause gönnen. :)


Montag, 4. Februar 2013


Hier ein kleiner Einblick in das Leben in Bolivien. Geschrieben von Leo Alt und meiner Meinung nach richtig gut, amüsant und absolut realitätsnah :)
 
einfaches auf-den-bürgersteig-pinkeln-wenns-dringend-ist; hühnchen als vegetarisches essen bezeichnen, weil es einen geringen fettanteil hat; hundewelpen, hühner und cocablätter auf dem markt einkaufen gehen; zu 9. in ein normalgroßes taxi steigen und sagen, dass ja noch 3 leute platz hätten; im einen moment gesagt bekommen, dass es verpöhnt ist, alkohol zu trinken und sich im nächsten moment mit den ordensbrüdern morgens um zwölf 4 bier reinhauen weil tag des marienkäfers oder so ist; über schlafende steigen, die in den gassen der stadt wohnen; 50 jährige zur gleichen musik steilgehen sehen wie die 20 jährigen; 36,4% der straßen in der umgebung nicht bei nacht betreten(nach eigenen berechnungen), weil selbst die einheimischen die als gefährlich bezeichnen und nicht da lang gehen; halbreife mangos vom straßenrand essen, weil die hier rumstehen wie bei uns das unkraut; lieber eine halbe stunde bus fahren und bei einem institut eine frage stellen, als einfach 2 sekunden da anzurufen - und dann wieder ne halbe stunde zurück;
mist. all mein bier ist leer.
sich sowohl von allen frauen als auch von den schwulen kerlen in der umgebung angraben lassen, einfach weil die sehr selten weiße leute sehen und drauf stehen - und weil man schön ist natürlich; nach dem weg fragen und sofort eine antwort bekommen - die komplett falsch ist; 3 stunden warten auf jemanden, mit dem man verabredet ist; nachts um 1 auf der plaza chillen und vom kaffeemann der einfach durch die gegend rennt für 20 cent kaffee kaufen; jeden tag die etlichen narben der jungs betrachten und sich fragen, wie sowas überhaupt zu stande kommen kann; musik zu hören und zu tanzen - immer und überall.
das sind ein paar sachen, die man so macht oder sieht wenn man hier ist. nicht alles davon ist schön, aber das ist es nirgendwo. die leute freuen sich dennoch ihres lebens.

Dienstag, 27. November 2012

Fundación „Ruway Ñanta“ (Quechua: „Wege suchen und finden“) 

Unser Team, wobei noch drei auf dem Foto fehlen

Die Fundación wurde im September 2006 in Cochabamba/ Bolivien mit der Entwicklung des Projektes „Proyecto Mujer“ gegründet. Der dringende Bedarf an Angeboten für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien, die ungeschützt und rechtlos auf der Straße leben, nicht zur Schule gehen, sexueller Ausbeutung und Gewalt unterliegen und in problematischen hygienischen Umständen und Wohnverhältnissen leben, animierte die Gründer zu diesem Projekt, das sich insbesondere an Mädchen, junge Frauen und ihre Familien richtet. 
„Ruway Ñanta“ will die Lebensqualität von Menschen am Rande der bolivianischen Gesellschaft verbessern. Sie setzt sich für Chancengleichheit und das Recht auf eine ganzheitliche Entwicklung jedes einzelnen Menschen ein. Die Fundación widmet sich sozialen Problemen wie Drogensucht, Gewalt, Diskriminierung, Armut, Ausbeutung und Kinderhandel, durch aktive, schnelle und unbürokratische Hilfe.
„Ruway Ñanta“ ist eine Organisation, die durch Analysen und Angebote soziale Themen aufgreift, die von der Gesellschaft vernachlässigt werden. Sie arbeitet präventiv und aktiv mit den Betroffenen durch Beratung, Bildung, Berufsfindung und soziale Hilfen. Ihr Ziel ist es, die betroffenen Menschen dabei zu unterstützen, ihre Probleme zu verringern und ein zufriedenes Leben zu führen. Die Fundación arbeitet mit staatlichen Institutionen und unterschiedlichen privaten Organisationen zusammen.

Die Fundación besteht aus zwei Projekten, dem „Proyecto Mujer“ (Projekt Frau) und Proyecto Infantil „Rayitos de Sol“ (Kindertagesstätte „Sonnenstrahlen“).
Das „Proyecto Mujer“ hat sich in den Jahren 2007-2008 aus der Arbeit mit jugendlichen Mädchen, Müttern und jungen Frauen entwickelt, die Opfer von sexueller Ausbeutung und Gewalt  und/ oder in einer wirtschaftlichen Notlage leben. Sie halten sich rund um den Busbahnhof und der „Avenida
 Aroma“ in Cochabamba auf. Durch aufsuchende Sozialarbeit erhalten sie Beratung, Bildung, Unterstützung bei neuen Lebensentwürfen sowie hygienische und gesundheitliche Versorgung.
Seit September 2008 gibt es in der Straße Junin (in der Nähe des Busbahnhofs und der Straße Aroma) das Lokal „Proyecto Mujer“. Hier können Beratung und Unterstützung der Mädchen und Frauen außerhalb der Straße stattfinden.
Neben dem Service-Café, bei dem die Frauen für einen kleinen Kostenbeitrag Getränke, Kuchen, Sandwiches und Ähnliches bekommen können, haben die Frauen die Möglichkeit, sich mit Handarbeiten - Gestalten von Postkarten, Armbänder knüpfen oder Stricken und Nähen - ein kleines Taschengeld zu verdienen. Hier gibt es auch Zeit zum persönlichen Gespräch und zur psychologischen Beratung. Außerdem werden die Frauen bei Behördengängen und in bürokratischen Problemen unterstützt.
Des Weiteren bietet das Projekt Frau regelmäßige Workshops an, in denen Themen wie übertragbare Krankheiten, HIV/ Aids, Aufklärung, Verhütungsmethoden etc. erörtert werden.
Parallel zum Proyecto Mujer konnte im November 2010 die Kindertagesstätte “Rayitos de Sol” – „Sonnenstrahlen“ gegründet werden. Sie ist offen für die Kinder der Frauen, die das Projekt besuchen, aber auch für andere Kinder, die in Armut leben oder im gleichen Stadtviertel wohnen. So wissen die Frauen ihre Kinder in guten Händen, während sie selbst ihrer Arbeit im Lokal oder auch außerhalb nachgehen können. 


























Die Bilder sind von Prostituierten aus Cochabamba, die jeweils ein Statement zu ihrem Beruf abgeben.
Meine Kinder wissen Bescheid
"Ich stehle nicht, ich töte nicht, ich betrüge nicht, ich schade keinem. Warum sollte ich mich schämen für das, was ich tue? 
Ich bin mittlerweile 55 Jahre alt, eine geschiedene Frau und Mutter von fünf Kindern. Seit 20 Jahren arbeite ich in diesem Milieu - alles für meine Kinder. 
Meine Kinder wissen was ich tue. Heute helfen sie mir, wie ich ihnen geholfen habe. Ich denke daran noch ein paar Jahre länger in dem Bereich zu arbeiten. Dies brauche ich für meinen waisen Enkel und damit meine Lieben ihren Abschluss schaffen können. Danach möchte ich mich gerne aktiv für die Rechte meiner Kolleginnen einsetzen."


Unwürdige Arbeitskonditionen
"In vielen der Räume, in denen die Frauen ihrer Arbeit nachgehen, gibt es kein Wasser, keine Sicherheit, keine Transportmöglichkeit und manchmal auch keine Straßen.
Wir sind nicht empfindlich; es ist die Geheimhaltung unserer Arbeit, die uns verwundbar macht und die Ungewissheit erhöht. Es fehlt an klaren Gesetzen, was unsere Arbeit betrifft.
Die Anerkennung unserer Arbeit und deren Gesetzgebung würde die Qualität unseres Lebens steigern.
In Bolivien sind wir mehr als 35000 Frauen, die in diesem Milieu tätig sind."


Die K'oa
"Wir sind Teil der Gesellschaft. Wir sind Mütter, Freundinnen, Kolleginnen, Töchter und Schwestern. Auch wir zelebrieren die "Pachamama". Jeden ersten Freitag des Monats treffen wir uns für die K'oa an unserer Ecke. Wir weihen sozusagen unser "Büro" ein, damit es uns bei allem besser ergeht und es nicht an Arbeit fehlt."


"Als ich in der Schule war, gefiel mir die Ungleichheit nicht, die es zwischen meiner Familie und anderen in meiner Gemeinschaft gab. Mit 15 Jahren habe ich mein Zuhause verlassen, um mir Arbeit zu suchen und so meine Familie unterstützen zu können. Ich habe keine Kinder, aber Eltern, Nichten, Neffen und Geschwister. Ich unterstütze alle soweit es möglich ist.
In La Paz habe ich begonnen als Haushälterin zu arbeiten. Es war viel Arbeit für wenig Geld und obendrein gab es sexuelle Belästigung vonseiten meines Chefs. Also bin ich von dort geflohen und ging nach Cochabamba. Als ich mich dem Milieu anschloss, sah ich wie sehr unsere Rechte verletzt worden sind. Dies schien mir nicht gerecht. Daher beteilige ich mich nun seit acht Jahren als Aktivistin. Ich kämpfe für unsere rechte und zeige Gewalttätigkeiten an, mit oder ohne Organisation. Ich habe keine Angst. Ich habe genauso viel Wert, wie jede andere Frau auch die arbeitet, denn das was ich mache ist eine Erwerbstätigkeit.
Wir bieten den Frauen unsere Hilfe an und bitten sie darum an dem Kampf der Emanzipation teilzuhaben, betonend, dass niemand das Monopol über unseren Willen hat. Wir sind darauf angewiesen uns gegenseitig zu helfen." (Präsidentin der Prostituierten Cochabambas)


Zerstörte Herzen
"Die Tattoos auf meinem Körper erzählen eine Geschichte: meine Geschichte voll von zerstörten Herzen und vielen Wunden. Als Prostituierte werden wir mit vielen Vorurteilen konfrontiert, die nicht nur Narben auf der Haut, sondern auch in der Seele hinterlassen. Diese Spuren sind zwar weniger sichtbar, aber nachhaltiger. 
Heute beunruhigt es mich nicht mehr allein zu sein, denn wie sagt man, lieber allein als in schlechter Begleitung. Meine Tattoos bleiben als eine Erinnerung an ein emotionales Leben- zerstört, wie jede andere Frau, die von einem Mann benutzt wurde, wie eine aufopferungsvolle Mutter oder ein Objekt der Befriedigung ohne jegliche Verpflichtung."

Je nach Alter der Prostituierten gibt es unterschiedliche Standorte. In der "Junin", in der sich auch unsere Fundación befindet, arbeiten zum beispiel die Frauen ab 40. Um die Ecke am Terminal befindet sich der "Kinderstrich". Die jüngsten Prostituierten sind 14 Jahre alt. Genauso wie das Anschaffen mit HIV ist auch das Anschaffen unter 18 Jahren gesetzlich verboten, jedoch reicht das Gesetz allein nicht aus, um dies zu verhindern. 
Die Frauen legen viel Wert darauf, dass der Arbeitsbereich nach Alter getrennt wird. Es ist eine Sache des Respekts dies einzuhalten. Ein Mädchen (17) hat dies nicht respektiert und sich zudem für einen viel zu niedrigen Preis angeboten - 10 Bs, dies beträgt umgerechnet einen Euro. Aufgrund dessen haben die Frauen ihre Genitalien mit "agua de chile" (Chilischote) beschüttet. 
Um Konkurrenzkampf zu verhindern gibt es einen Einheitspreis, der bei 50 Bs (5 Euro) liegt. Für diesen Preis gibt es das "Komplettpaket". Von diesen Einnahmen müssen die Frauen jedoch 15 Bs für das Zimmer, in dem sie arbeiten, abgeben. Wie oben beschrieben sind die Bedingungen dieser Zimmer katastrophal. Wenn sie duschen möchten, müssen sie teilweise extra zahlen, wenn es denn überhaupt fließend Wasser gibt. Dennoch verdienen die Frauen teilweise mehr als die Psychologen bei uns in der Einrichtung. Viele möchten nicht auf ihren Beruf verzichten, weil sie sich an den hohen Lebensstandard gewöhnt haben. An einem Wochenende haben die Frauen ca. 5 Kunden am Tag. 
Wir arbeiten in der Fundación nur mit "freien" Frauen zusammen, das heißt Frauen, die nicht für einen Zuhälter arbeiten, denn dies wäre zu gefährlich. Die Frauen, die für ihre Zuhälter anschaffen gehen, arbeiten meist in Lokalen, nicht auf der Straße. Allein von diesen Lokalen gibt es bei uns um die Ecke mehrere. 
Als die Fundación gegründet wurde, hat man versucht den Frauen andere Wege aufzuzeigen Geld zu verdienen, bis man gemerkt hat, dass die Frauen aufgrund ihres hohen Lebensstandards den Beruf gar nicht wechseln möchten. Heute werden sie in dem was sie tuen unterstützt. Wir machen sie auf ihre Rechte aufmerksam und helfen ihnen, wenn gegen diese verstoßen worden ist. Durch die unklaren Gesetze, kommt es nicht selten vor, dass eine Frau, die ihrer Arbeit mit einem Kunden nachgeht, nicht mehr zurückkehrt. 

Ich arbeite in dem gefährlichsten Stadtteil Cochabambas, so dass ich bei Einbruch der Dunkelheit immer zum "trufi" begleitet werde. Der Grund dafür, dass es so gefährlich ist, sind die "inhaladores de clefa", die teilweise in der "Junin" und Umgebung "wohnen". Zu Beginn war diese Unsicherheit ein seltsames Gefühl, man lernt jedoch mit der Situation umzugehen. Auch habe ich am Anfang kein Geld alleine abgehoben, sondern wurde zum Automaten begleitet. Mittlerweile weiß ich wo und wann ich Geld abheben kann. Am besten nämlich an Automaten, die von Polizisten bewacht werden. Jede Bank wird von mindestens ein bis zwei von ihnen bewacht. Auch wird einem empfohlen immer ein wenig Geld bei sich zu haben, für den Fall das man überfallen wird. Denn nicht selten haben die "inhaladores de clefa" Glasscherben bei sich und keine Scheu davor körperliche Gewalt einzusetzen.